Das Medizinstudium

Mehr als 40.000 Abiturienten in ganz Deutschland bewerben sich jährlich auf ein Medizinstudium. Dabei gibt es nur rund 9.000 Studienplätze. Das bedeutet, die Bewerber müssen rigoros aussortiert werden, nur die Besten der Besten erhalten einen Studienplatz. Doch was ist mit denen, die schon ihr halbes Leben von einem Medizinstudium träumen, Menschen helfen wollen, clever und motiviert sind alles aus sich heraus zu holen?

Was erwartet dich im Medizinstudium?

Im folgenden Beitrag werden wir dir alles erklären was du als Studieninteressierte/r wissen musst und dir zeigen, warum du trotz eines nicht ausreichenden Numerus Clausus deinen Traum vom Medizinstudium nicht aufgeben solltest.

Bevor du dich für das Medizinstudium bewirbst solltest du dir bewusst machen, dass von dir eine hohe Belastbarkeit erwartet wird, sowohl zeitlich als auch auf das Lernen bezogen. Außerdem solltest du ein medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und eine gute Beobachtungsgabe mitbringen. Die Beherrschung der lateinischen Sprache, ist entgegen der weit verbreiteten Annahme, nicht zwingend notwendig. Zusätzlich sind sehr gute schulische Noten wichtig.

Dauer und Aufbau des Medizinstudiums

Die Regelstudienzeit beläuft sich auf 6 Jahre und 3 Monate und schließt mit dem Staatsexamen ab. Im Medizinstudium gibt es also kein Bachelor-Master-System. In deinem Studium durchläufst du 5 Phasen:

  1. Es beginnt mit dem Grundstudium (Vorklinik), welches naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen behandelt und 4 Semester umfasst. Es wird durch die erste ärztliche Prüfung abgeschlossen.
  2. Nach bestandener Prüfung folgt das Hauptstudium, das sich aus Vorlesungen, Seminaren, und Praktika zusammensetzt und die medizinischen Kernfächer behandelt. Das Hauptstudium umfasst 6 Semester.
  3. Danach geht es darum sich im ‚Praktischen Jahr’ (PJ) auf die Berufspraxis vorzubereiten. Hierbei bist du knapp ein Jahr in den Bereichen Chirurgie und innere Medizin der Klinik tätig. Dazu kann ein Wahlfach belegt werden.
  4. Nach dem PJ machst du dich an die zweite ärztliche Prüfung, dem Staatsexamen. Ist dies bestanden kannst du deine ‚Approbation‘, also die staatliche Zulassung zur Berufsausübung, beantragen und darfst dann endlich als Arzt arbeiten.
  5. Anschließend kannst du dich zum Facharzt weiterbilden, was zwischen 5 bis 6 Jahre dauern kann.

Die beliebtesten und besten Universitäten für ein Medizinstudium

Die beliebtesten und besten Mediziner-Universitäten in Deutschland sind unter anderem die LMU München, die Charité Berlin, die Uni Heidelberg, die RWTH Aachen und die Universität Lübeck. Folglich haben diese Hochschulen auch den höchsten NC. Generell ist in Niedersachsen und Schleswig-Holstein der NC immer etwas niedriger als in den anderen Ländern. Trotzdem bewegen wir uns dort immer noch zwischen den top Abiturnoten 1,0-1,4 und zusätzlich muss mit mindestens einem Wartesemester gerechnet werden.

Zulassungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren

Für ein Medizinstudium ist die allgemeine Hochschulreife, das Abitur, die Grundvoraussetzung. Aber auch eine entsprechende und passende Schul- und Berufsausbildung im medizinischen Bereich können dich für ein Medizinstudium qualifizieren.

Bei dem Medizinstudium gibt es bekanntlich mehr Bewerber als Studienplätze, deshalb muss ein spezielles Auswahlverfahren her: 20% der Bewerber bekommen über ihre Abiturnote einen Studienplatz. Da Medizin einer der Studiengänge in Deutschland mit dem höchsten NC ist, bekommen hier nur die aller Besten direkt einen Platz. Weitere 20% erlangen einen Studienplatz durch ihre Wartezeit, die Zeit nach dem Abitur an der du an keiner Universität eingeschrieben bist. Die verbleibenden 60% suchen die Universitäten über ihr eigenes Auswahlverfahren aus. Ausschlaggebende Kriterien können hier das Ergebnis des TMS (Test für medizinische Studiengänge), der persönliche Eindruck, deine bereits gesammelten Erfahrungen, deine Einstellung und deine Motivation sein.

Vorbereitungsmöglichkeiten

Deine Chancen auf einen Studienplatz kannst du nicht nur durch einen guten NC verbessern. Auch eine gute Vorbereitung kann hier das A und O sein. Fachliteratur, diverse Praktika im Medizinbereich, Vorbereitungsseminare und Vorsemester können dir ein gutes Wissen vermitteln, mit dem du dann überzeugen kannst. Das wiederum kann deine Chancen im Auswahlverfahren erhöhen.

Die Wartezeit für einen Studienplatz sinnvoll überbrücken

Viele angehende Studenten sind frustriert, da sie keinen 1,0er Schnitt vorweisen können und somit ihr Traum vom Medizinstudium vorerst auf Eis gelegt wird. Es bleibt ihnen nur noch die Wartezeit oder das Auswahlverfahren der Hochschule. Diese Wartesemester müssen kein stumpfes Abwarten sein, so kannst du zum Beispiel die Zeit nutzen und eine medizinische Ausbildung machen. Mögliche Berufe wären Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst, Physiotherapie, Hebamme, operationstechnischer Assistent (OTA) oder eine Ausbildung als medizinisch-technischer Assistent (MTA). Durch die Tätigkeit sammelst du bereits theoretisches Wissen und viele praktische Erfahrungen. Außerdem lässt sich während des Studiums leichter ein Nebenjob finden (sofern es sich zeitlich einrichten lässt). Ein großes Plus dabei ist, dass einige Ausbildungen als medizinisches Pflegepraktikum angerechnet werden können, welches in den ersten 4 Semestern (Vorklinik) absolviert werden muss.

Vorsemester Medizin

Eine weitere Möglichkeit die Wartezeit zu überbrücken ist ein Vorsemester. Das Vorsemester ist ein rund 4-monatiges Vorbereitungssemester, welches bis jetzt nur an ausgewählten Akademien und Instituten absolviert werden kann. Hierbei erlangst du ein medizinisches Grundwissen, welches dich sowohl für den TMS als auch für das Auswahlgespräch der Hochschule gut vorbereitet. Das Semester ist in verschiedene thematische Bereiche unterteilt: naturwissenschaftliche Grundlagen, Praktika in Anatomie, Mikroskopie, Notfallmedizin und ein medizinischer Teil. Die meisten Studenten, die solch ein Vorsemester erfolgreich abschließen, bekommen auch anschließend einen Studienplatz. Das Vorsemester wird beispielsweise an der Prometheus Akademie sowohl zum Sommer- als auch zum Wintersemester angeboten und kostet je nach Institut um die 4.000 Euro.

 

Medizin studieren ohne NC

Obwohl man sich in der Wartezeit hilfreiches medizinisches Wissen aneignen kann, kann die Zeit doch ganz schön lang werden. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass viele angehende Studenten bis zu 14 Semester warten muss. Falls dir diese Wartezeit einfach zu lang ist, haben wir hier für dich mögliche Alternativen:

Medizinstudium an einer privaten Hochschule

Deutschlandweit gibts es eine Hand voll privater Hochschulen, die einen Medizinlehrstuhl haben. Dazu zählen beispielsweise die Universität Witten, die Kassel School of Medicine, Asklepios Campus Hamburg, die Medizinische Hochschule Brandenburg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg. Besteht deinerseits Interesse für ein Studium an einer Privathochschule solltest du dir bewusst machen, dass solch ein Studium mit immens hohen Kosten verbunden ist, gleichzeitig müsstest du bereit dafür sein einen Teil deines Studiums samt der Prüfungen an Partnerhochschulen im Ausland zu absolvieren.

Medizinstudium im Ausland

Eine weitere Möglichkeit ist sich direkt an einer Hochschule im Ausland zu bewerben. Dank des EU-Rechts gibt es bei einem Auslandsstudium in der EU bezüglich der späteren Approbation in Deutschland keine Probleme. Besonders beliebt bei den Deutschen ist Österreich. Neben Österreich und der Niederlande sind vor allem Länder in Osteuropa beliebt wie Ungarn, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und Litauen. Im Nachbarland Österreich werden die Studienplätze folgendermaßen vergeben: 75% an österreichische Studenten, 20% an EU-Bürger und 5% an Nicht-EU-Bürger. Eine Mindestabiturnote ist nicht erforderlich, stattdessen muss ein Aufnahmetest in den Unis bestanden werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die Ähnlichkeit zum deutschen Studienmodell. In Rumänien gibt es Universitäten mit englischsprachigen Medizinstudiengängen und akzeptablen Studiengebühren von ca. 2.500 Euro pro Semester. An der Universität in Sibiu (Hermannstadt) wird sogar ein deutschsprachiger Medizinstudiengang angeboten. Wir empfehlen dir dich frühzeitig zu informieren und zu bewerben. Zusätzlich solltest dich früh genug für die Aufnahmetests vorbereiten, die recht anspruchsvoll sind, da es keinen NC gibt. Auch England könnte eine interessante Alternative sein, hier liegen die Kosten bei rund 9000 Pfund pro Jahr, im Osten kann es auch bis zu 11.000 Euro kosten.

Studium bei der Bundeswehr

Auch bei der Bundeswehr kann ein Medizinstudium absolviert werden, allerdings musst du zusätzlich eine Ausbildung zum Soldaten abschließen- es ist also auch nichts für jedermann. Zudem musst du dich für 17 Jahre verpflichten. Zwar sind bei der Bundeswehr die Abiturnoten nicht ganz unwichtig, dafür gibt es aber einen anderen tollen Vorteil: Die Bundeswehr zahlt nicht nur dein Studium, zusätzlich bekommst du auch von Anfang an ein Gehalt.

Den Studienplatz für Medizin einklagen

Nach Artikel 12 des deutschen Grundgesetzes hat jeder Bürger ein Recht zur freien Berufswahl. Deshalb ist es möglich Vergabeverfahren einer Hochschule als auch sogenannte außerkapazitäre Studienplätze einklagen, das sind Studienplätze, die aufgrund falscher Kapazitätsberechnung von der Universitäten nicht angeboten werden. Viele Hochschulen vergeben nicht alle Studienplätze und genau das klagt dein Anwalt, den du dir dann nehmen musst, ein. Klagen kannst du, wenn du dich auf einen Studienplatz beworben hast aber abgelehnt wurdest. Allerdings macht es keinen Sinn nur 5 Hochschulen zu verklagen, empfehlenswert wären eher rund 20 Unis. Die Klage einer Hochschule kostet rund 1.000 Euro, weshalb du bei der Einklage deines Studienplatzes mit enormen Kosten rechnen musst. Weil mittlerweile viele junge Erwachsene auf diese Methode zurückgreifen, ist nach dem Prozess nicht einmal sicher, dass du einen Platz bekommst. Meistens werden dann die Plätze von den Hochschule ausgelost.

Änderungen im Auswahlverfahren

In den deutschen Bundesländern liegt der NC fast immer zwischen der Note 1,0 und 1,2 und meist muss hier schon mit Wartesemestern gerechnet werden. Und das obwohl bekanntlich in Deutschland ein Ärztemangel herrscht. Viele Studieninteressierte empfinden dieses extreme Auswahlverfahren als ungerecht. Zwar gibt es genügend motivierte junge Erwachsene, die alles für ein Medizinstudium tun würden, doch werden nicht genügend Studienplätze angeboten. Deshalb muss der NC so hoch angesetzt werden. Als Reaktion auf diese Problematiken und Missstände fordert das Bundesverfassungsgericht, dass alle Bundesländer das Auswahlverfahren der Hochschulen und dessen Kriterien bis Ende 2019 überarbeiten und anpassen. Zwar wird die Abiturnote immer noch einen hohen Stellenwert haben, dazu werden aber die Auswahlverfahren der einzelnen Hochschulen wichtiger. Das Problem bei der Vergabe nach der Abiturnote ist, dass es kein bundesweites einheitliches Abitur gibt. Ein 1,0er Abitur ist also in dem einen Bundesland (z.B Thüringen) weniger Wert als in einem anderen Bundesland (z.B Bayern). Somit sind die Noten gar nicht vergleichbar. Ein weiterer wichtiger Punkt der korrigiert werden muss ist die Ortspräferenz. Momentan ist ist die Ortswahl wichtiger als die Abiturnote. Das heißt, wenn ein Abiturient beispielsweise ein Abi von 1,1 hat und Münster als Ortspräferenz angibt, wo der NC bei 1,0 liegt, bekommt er höchstwahrscheinlich keinen Studienplatz. Und das obwohl diese Note an anderen Unis ausreichen würde. Außerdem müssen sich die Hochschulen für ein notenunabhängiges Auswahlkriterium entscheiden, zudem soll die Wartezeit auf eine maximale Semesteranzahl begrenzt werden.

In der Zukunft sollen also die Auswahlkriterien an Bedeutung gewinnen und die Abiturnoten Gewicht verlieren. Allerdings werden frühestens 2020 die Änderungen in Kraft treten, bis dahin gelten immer noch die aktuellen Kriterien samt des hohen NCs.