Individuell zu mehr Wissen und Zufriedenheit: Flexibilität im Studium und im Job

Darum geht's

Flexibilität ist heutzutage nicht nur bei Bewerbern gefragt, sondern wird auch von jungen Menschen selbst zunehmend gefordert. Ganz egal, ob bei der Ausbildung oder im Beruf. Starre Strukturen sind hingegen passé. Das führt dazu, dass sich Job- und Studienmodelle weiterentwickelt haben und es immer mehr Möglichkeiten gibt, den Beruf oder die Ausbildung geschickt mit dem Privatleben zu vereinen. Ein Überblick.

Frühjahr 2020. Das Coronavirus bahnt sich seinen Weg durch alle Länder. Und verändert die Welt mit einem Schlag. Auch die Bereiche Arbeit und Studium wurden auf eine harte Probe gestellt. Eine Fähigkeit war dabei bei Unternehmen, Arbeitnehmern, Bildungseinrichtungen und Studierenden zentral: Flexibilität. Sich von Altem zu lösen, rasch neue Modelle zu entwickeln und dabei trotzdem fokussiert und optimistisch zu bleiben, hat sich zu einer der wichtigsten Kompetenzen unserer Zeit entwickelt. Die Folge: Die Arbeits- und Studienwelt hat sich weitergedreht. Vieles, das bis vor ein paar Jahren noch utopisch erschien, ist plötzlich möglich – ja mehr noch: Möglichkeiten wie Homeoffice oder E-Learning werden mittlerweile nicht nur angenommen, sondern explizit gefordert. Flexibilität ist auf der anderen Seite aber auch einer jener Soft Skills, der regelmäßig einen der vorderen Plätze einnimmt, werden Arbeitgeber nach den wichtigsten Fähigkeiten befragt, die neue Mitarbeiter mitbringen sollten. Zusammengefasst lässt sich also sagen: Flexibilität ist heutzutage Trumpf. Aber wie sieht nun Flexibilität konkret im Job und im Studium aus? Welche Möglichkeiten gibt es, Privates mit Beruflichem bzw. der Ausbildung zu kombinieren? Dieser Artikel liefert Antworten.

Flexibilität im Studium

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren massiv verändert – aber auch moderne Studiengänge sind nicht mehr mit jenen von vor einem Jahrzehnt vergleichbar. Hierbei ist Flexibilität mittlerweile das Nonplusultra.

Online-Vorlesungen

So wie sich das Homeoffice im Berufsleben sukzessive ausgebreitet hat, so nahmen auf der anderen Seite auch Online-Vorlesungen stetig zu. Moderne Universitäten und Bildungseinrichtungen bieten Studierenden daher nicht mehr nur Online-Plattformen für E-Learning oder die allgemeine Kommunikation und Zusammenarbeit, sondern viele der Vorlesungen und Übungen finden bereits online statt. Der Vorteil: Du kannst den Lehrinhalten von zu Hause aus lauschen und sparst dir den Weg zur Hochschule. Viele davon werden zudem aufgezeichnet, sodass du zeitunabhängig lernen kannst.

Fernstudium

Noch orts- und zeitunabhängiger bist du, wenn du dich gänzlich für ein Fernstudium entscheidest. Hierbei kannst du das Studium zu 100 % an deine persönlichen Lebensumstände anpassen. Du bist Frühaufsteher und nutzt gerne die ersten Stunden des Tages zum Lernen? Perfekt! Oder aber du bist Nachteule und sitzt lieber vor dem PC, wenn es draußen dunkel ist? Kein Problem!

Berufsbegleitend studieren

Eng mit den beiden ersten Punkten ist dieser verbunden, denn viele nutzen die modernen Möglichkeiten heutzutage dazu, um so neben dem Job ein Studium aufzunehmen. Es gibt eine Reihe an Studiengängen, die speziell für diese Personengruppe konzipiert wurden. Diese beinhalten zum Beispiel weitaus mehr oder ausschließlich Online-Inhalte und weniger Präsenzzeiten. Wenn es Module mit Anwesenheitspflicht gibt, werden meist abends oder geblockt an Wochenenden angeboten, sodass sie sich perfekt mit dem Job vereinen lassen. So müssen auch finanziell keine Abstriche gemacht werden.

Auslandssemester

Einmal fernab der Heimat gelebt zu haben, mit einer fremden Kultur in Berührung gekommen zu sein und sich allein durchgeschlagen zu haben, das steht bei vielen ganz oben auf der To-do-Liste oder der Bucket List des Lebens. Und eine Auslandserfahrung macht sich auch im Lebenslauf gut. Ein Auslandssemester lässt sich heutzutage bereits sehr einfach organisieren und viele Universitäten arbeiten mit Partner-Hochschulen zusammen, wodurch sich auch die Situation mit den Anrechnungen verbessert hat. Wichtig ist aber, sich vorab über die Kosten eines Auslandssemesters auseinander zu setzen. Wer generell den Drang verspürt, Teile des Studiums in einer anderen Sprache zu absolvieren, kann außerdem Ausschau nach zweisprachigen Studiengängen halten – auch davon gibt es mittlerweile etliche.

Individuelles Studium

Du hast dir den Studienplan einiger Universitäten angeschaut, aber ein zu 100 % passendes Studium gibt es nicht? Vielmehr interessieren dich Inhalte verschiedener Richtungen? Kein Problem! Zum einen hast du insbesondere bei Universitätsstudiengängen oft die Möglichkeit, verschiedene Zweige oder Wahlpflichtmodule zu wählen. Zum anderen gibt es Universitäten, an denen Individuelle Studien möglich sind, zum Beispiel an der Universität Wien in Österreich. Dabei wählst du verschiedene Fächer aus bestehenden Bachelor-, Master- oder Diplomstudien und bastelst dir dein individuelles Bachelor- oder Masterstudium. Wird dein Antrag angenommen und erfüllst du alles Voraussetzungen, kann’s losgehen.

Flexibilität im Job

Montag bis Freitag, 8 bis 17 Uhr – das waren vor einigen Jahren noch die Standard-Arbeitszeiten vieler Arbeitnehmer. Und in den meisten Fällen übten Mitarbeiter ihr ganzes Leben lang ein und denselben Job in ein und derselben Firma aus. Mittlerweile gehören Job-Wechsel jedoch zum Leben dazu und auch die Arbeitsmodelle werden immer flexibler.

Gleitzeit

Morgenmensch oder Morgenmuffel? Oder brauchst du in der Früh etwas Zeit, um mit dem Hund nach draußen zu gehen? Das alles ist bei Gleitzeit kein Problem. Gleitzeit bedeutet, dass du den Beginn und das Ende deiner täglichen Normalarbeitszeit innerhalb eines zeitlichen Rahmens frei gestalten kannst. In den meisten Firmen gibt es lediglich eine Kernzeit. Hat dein Arbeitgeber also zum Beispiel eine Kernzeit von Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr, festgelegt und dazu einen zeitlichen Rahmen von 6 bis 18 Uhr, so musst du nur zwingend zwischen 8 und 12 Uhr anwesend sein. Ob du allerdings davor den Morgen nutzt und schon zwei Stunden arbeitest oder lieber am Nachmittag länger ans Werk gehst, bleibt dir überlassen. Achtung: Für diese Regelung muss es allerdings eine schriftliche Vereinbarung geben!

Vier-Tage-Woche

Immer beliebter wird zudem die Vier-Tage-Woche. Und eine solche wünscht sich mittlerweile die Mehrheit der Deutschen. Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern daher entweder generell eine Vier-Tage-Woche an oder eine Vier-Tage-Woche im Wechsel mit einer Fünf-Tage-Woche. Der Vorteil: Du profitierst jede oder jede zweite Woche von einem langen Wochenende, das du nicht nur für Hobbys, sondern auch zur Erholung nutzen kannst. Zudem lässt sich ein Trend hin zu einer Arbeitszeitverkürzung feststellen. So gibt es bereits vereinzelt Betriebe, die eine 35- oder eine 30-Stunden-Woche eingeführt haben.

Homeoffice

Eine Entwicklung, die ebenso seit Corona gekommen ist, um zu bleiben, und für mehr Flexibilität sorgt, ist das Homeoffice. Viele schätzen die Möglichkeit, zumindest an manchen Tagen von zu Hause aus arbeiten zu können. Die Vorteile: In einer ruhigen Atmosphäre lassen sich so manche Arbeiten besser realisieren, als in einem lauten Großraumbüro. Außerdem entfällt die Fahrt zur Arbeitsstätte und wieder zurück, wodurch du Zeit für Hobbys, Familie oder zur persönlichen Weiterbildung gewinnst. Ganz nebenbei wird dadurch der Umwelt Gutes getan. Die Kehrseite der Medaille: Du musst dich selbst gut organisieren und motivieren können, um auch zu Hause alle Aufgaben in der gleichen Zeit zu schaffen. Ebenso ist ein ergonomisches, gut ausgestattetes Homeoffice hierfür Pflicht.

Sabbatical

Die meisten Deutschen wünschen sich nicht nur eine Vier-Tage-Woche, sondern würden auch ein Sabbatical mehr als begrüßen. Dabei handelt es sich im Prinzip um unbezahlten Sonderurlaub, den du nach eigenem Ermessen gestalten kannst. Einen gesetzlichen Anspruch hast du darauf als Arbeitnehmer jedoch nicht, sondern dein Arbeitgeber kann dir diese Auszeit gewähren – oder nicht. Daher wird die Länge eines Sabbaticals immer individuell zwischen dir und deinem Arbeitgeber vereinbart und dauert in der Regel zwischen einem Monat und einem Jahr. Und: Ein Sabbatical kann auch mehrmals in Anspruch genommen werden – vorausgesetzt, die Firma stimmt zu. In puncto Gehalt gibt es mehrere Möglichkeiten: das Sabbatical als unbezahlter Sonderurlaub, Lohnverzicht oder zum Beispiel ein Langzeitarbeitskonto. Achtung: Bei der ersten Möglichkeit entfallt das Einkommen und du musst auch die Sozialversicherungsbeiträge selbst bezahlen, dafür wird der Arbeitsvertrag nur stillgelegt. Bei einem Langzeitarbeitskonto sammelst du hingegen vorab Überstunden und Urlaubstage, die du hierfür in Anspruch nehmen kannst. Viele nutzen ein Sabbatical für eine längere Reise oder eine persönliche Weiterbildung.

Bildungskarenz

Wer in Österreich beschäftigt ist, kann zudem Bildungskarenz beantragen. Dabei nehmen Mitarbeiter eine Auszeit von ihrem Job, um sich weiterzubilden. Für die Dauer der Weiterbildung wirst du von der Arbeit freigestellt und bekommst keinen Lohn. Wer allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt, erhält vom Arbeitsmarktservice ein Weiterbildungsgeld. So musst du den Job nicht kündigen, kannst dich weiterbilden und bist finanziell trotzdem abgesichert. In Deutschland wird dieses Modell auch immer wieder diskutiert