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   Shortcut: Wie finde ich ein für mich geeignetes Praktikum ?

Checkliste-Praktikum: Wertvolle Berufserfahrung oder billige Arbeitskraft?

 

Nicht jedes Praktikum bringt dich weiter. Um dir die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Angeboten zu erleichtern, haben wir vom Studium-Ratgeber eine kleine Checkliste erarbeitet.

Praktikum als Endlos-Schleife – die Vorgeschichte des Unternehmens

Ist das Unternehmen bekannt dafür, dass es Praktikanten einstellt? Werden dort auch Ferienaushilfen eingestellt? Wenn ja, lohnt es beide zu befragen und zu schauen, inwieweit sich die Tätigkeiten unterscheiden. Kontakte zu Ehemaligen bekommst du am besten im Internet. Erfahrungsberichte von Praktikanten findest du unter anderem bei der Praktikanten-Vereinigung Fairwork e.V.

Was lange währt…? – die Dauer des Praktikums  

Je länger das Praktikum, desto günstiger ist es für das Unternehmen, denn nach der Einarbeitung kann der Praktikant als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt werden.
Wachsen in diesem Stadium die Herausforderungen nicht oder lässt die Betreuung durch die Kollegen bzw. den Praktikums-Mentor spürbar nach, dann liegt der Verdacht nahe, dass du ausgenutzt wirst.
Zwar steigt mit der Dauer des Praktikums auch die Berufserfahrung – aber Arbeit und Ausbildung müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Den goldenen Mittelweg musst du im Einzelfall selber finden. Ein guter Richtwert für ein Praktikum sind aber drei Monate. Da bleibt den Unternehmen genug Zeit, dich einzuarbeiten und du gewinnst gleichzeitig hinreichend Erfahrung.
Halbjährige Praktika können dann sinnvoll sein, wenn der Arbeitsbereich sich regelmäßig erweitert und die Unternehmen immer wieder neues Wissen anbieten können. Gerade große Unternehmen neigen zur halbjährigen Variante, denn ihr „Workflow“ ist komplett durchorganisiert und die Einarbeitung braucht eine Weile.

Die Vergütung des Praktikums 

Wird das Praktikum bezahlt? Wenn in der Praktikums-Ausschreibung „Verhandlungssache“ oder gar „keine Bezahlung“ steht, ist das ein klares Indiz dafür, dass du als Praktikant nicht als mehrwertige Teamkraft sondern mehr als billige oder gar kostenfreie Arbeitskraft gesucht wirst.
Ein guter Arbeitgeber ist immer bereit, ein Praktikum zu vergüten – nur wird die Höhe des Lohns mit der Wirtschafts- und Auftragslage variieren!
Für die Entlohnung spricht nicht nur der positive Effekt auf die Motivation, sondern wirtschaftsethisch ist unbezahlte Arbeit auch gar nicht zu vertreten.

Mehr sein als nur eine Nummer – die Anzahl der Praktikanten

Eine große Anzahl von Praktikanten im Vergleich zu den fest angestellten Mitarbeitern ist immer ein Warnsignal: Bei zu vielen Praktikanten leidet die Betreuung des einzelnen. Gleichzeitig sinken die Chancen, im Anschluss an das Praktikum in ein reguläres Arbeitsverhältnisse übernommen zu werden. Glück im Unglück: wahrscheinlich würdest du in einem derartigen Betrieb auch in einer Festanstellung nicht wirklich glücklich geworden!

Alles schriftlich!?! – der Praktikums-Vertrag

Du solltest unbedingt auf einen Praktikanten-Vertrag bestehen! Darin werden wichtige Punkte festgehalten, wie Beginn und Dauer des Praktikums, auszuübende Tätigkeiten, tägliche Arbeitszeit, Dauer der Probezeit, Höhe der Vergütung, Anzahl der Urlaubstage, Vergütung von Überstunden, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie Kündigungsvoraussetzungen.
All diese Bedingungen prägen den Ablauf des Praktikums. Nur wenn du sie schriftlich hast, kannst du sie im Zweifelsfall auch wirklich durchsetzen.

Welchen Ruf genießt das Unternehmen? 

Keine Angst: nicht alle Unternehmen nutzen Praktikanten aus. Aber wie oben schon erwähnt, nimmt die Zahl der Missbrauchsfälle gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu. In einigen Branchen neigt man eher dazu, Praktikanten mit billigen Hilfskräften zu verwechseln: Gerade im kreativen Bereich ist die Beanspruchung hoch. Denn das projektorientierte Arbeiten in den Medien oder im Marketing führt fast zwangsläufig zu Überstunden. In diesen Branchen solltest du also besonders aufpassen.

Vermeide eine Karriere als Dauer-Praktikant

Absolventen laufen zunehmend Gefahr, in eine Karriere als Dauerpraktikant in diesen Branchen zu geraten. In manchen Fällen missbrauchen Unternehmen die Hoffnung des Praktikanten auf einen Berufseinstieg sogar als Köder, um sehr gut ausgebildete Praktikanten für einen „Hungerlohn“ einzustellen. Nicht selten lassen sie ihre Praktikanten nach dem Ende des Praktikums dann am langen Arm verhungern.
Also Vorsicht bei Unternehmen, die ständig und viel inserieren, besonders in den kostenlosen Onlinestellenbörsen. Diese sind leider allzu häufig Mogelpackungen mit einem hohen Praktikantenverschleiß – jedoch ohne jegliche Einstiegschancen nach absolviertem Praktikum.

Schutz vor Missbrauch des Praktikums

Der Schutz vor Missbrauch greift natürlich erst, wenn das Praktikum bereits aufgenommen wurde. Wenn du das Gefühl bekommst, als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, wenn du regelmäßig Überstunden machen musst, keinen Urlaub bekommst oder die Arbeit am Wochenende die Regel ist, dann sprich diese Missstände offen an.
In größeren Unternehmen ist der Betriebsrat der erste vertrauensvolle Ansprechpartner für solche Probleme. Wenn es keinen Betriebsrat gibt, dann solltest du deinen Betreuer oder Vorgesetzten direkt auf die Situation ansprechen. Stößt die Beschwerde auf taube Ohren und oder wird mit dem Holzhammer der „Branchen-Üblichkeit“ erschlagen, kannst du das Praktikum auch vorzeitig beenden.
Du hast aber auch die Möglichkeit, dich  vor Gericht zu wehren. Die Rechtslage in Deutschland lässt zu, den Arbeitgeber nach Beendigung des Praktikums auf Aufzahlung des Gehaltes für eine Festanstellung zu verklagen. Dazu musst du allerdings nachweisen können, dass der Lerneffekt krass im Hintergrund stand und du eine vollwertige Arbeitskraft ersetzt hast.
Bist du bereits in der Gewerkschaft, dann genießt du hier übrigens Rechtsschutz.

 
 
 
 
 
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