Lars Ritter berät seit Jahren Menschen bei der Studienwahl, ist Dozent, Prüfer und promoviert selbst. Mit dem Studienflüsterer und dem Hochschulnavigator hat er zwei Projekte aufgebaut, die eines gemeinsam haben: ehrliche Orientierung im Fernstudium statt Hochglanzwerbung. Wir haben mit ihm über seinen eigenen Umweg ins Studium, die unterschätzte Anrechnung von Vorleistungen und die Frage gesprochen, warum man dem Marketing von Fernhochschulen nicht trauen sollte.
Zur Person und Entstehungsgeschichte
Lars, du bist „der Studienflüsterer“. Wie kam es dazu?
Über einen Umweg. Ich habe in Österreich eine Lehre zum Tischler gemacht und leider nicht die Lehre mit Matura, mit der man zusätzlich die Studienreife bekommt. Nach der Lehre habe ich gemerkt, dass mir weder die Wertschätzung im Beruf noch das Gehalt oder die Entfaltungsmöglichkeiten gereicht haben. Also wollte ich studieren. Ich habe mich monatelang informiert, was überhaupt geht, und dabei viel zu viel Geld investiert, das in dem Ausmaß nicht nötig gewesen wäre.

Die Person, die meinen Weg am meisten mitgestaltet und mir überhaupt erst gezeigt hat, was möglich ist, war Prof. Dr. Dr. Martin Stieger. Er hat mir Türen geöffnet und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Heute schreiben wir zusammen das Buch „Fernstudium Klartext“, das im Idealfall dieses Jahr noch im Hanser Verlag erscheint. So bin ich langsam in die Rolle des Studienflüsterers gerutscht.
Du sagst, du hast damals zu viel Geld investiert. Woran lag das?
Ich habe zum Beispiel drei Master gemacht. Für meine jetzige Promotion hat aber nur einer davon berechtigt. Für mein eigentliches Ziel, Doktor und später Professor zu werden, hätte ich mir gut 25.000 Euro sparen können. Ich habe es gerne gemacht, Lernen macht mir Spaß. Aber mir hat schlicht der Vergleich gefehlt. Die Informationen im Netz sind zu gesponsert, um echt zu sein. Eine Hochschule macht ja keine ehrliche Werbung für fremde Programme.
Wie wurde daraus ein Projekt?
Die meisten Leute kamen über LinkedIn auf mich zu, weil ich anfing, aus meinem Alltag zu erzählen, und über meine Webseite. Erst waren es ein, zwei Anfragen im Monat, dann pro Woche, dann fast jeden zweiten Tag. Aus Aufklären wurde Beraten, Studienwege aufzeigen, an mittlerweile Partnerhochschulen vermitteln und den Leuten Aufwand abnehmen, von der Einschreibung bis zur Anrechnung.
Zum Studienflüsterer
Wer kommt zu dir? Beschreib mal deinen typischen Klienten.
Den typischen Klienten gibt es nicht. Es kann der 20-Jährige sein, der gerade Matura gemacht hat, von der Weltreise zurückkommt und endlich studieren will. Die 36-jährige alleinerziehende Mutter, die zurück ins Berufsleben will und die Zeit für ein Fernstudium nutzt. Einmal war es ein 76-Jähriger, der es einfach wissen wollte. Mit dem bin ich bis heute im Austausch, weil er ein mega cooler Typ ist.
Was unterscheidet dich von einer normalen Studienberatung oder den Beratern der Hochschulen selbst?
Ich habe es selbst erlebt, mit Bachelor, drei Mastern und der Promotion. Ich mache nicht nur Sales. Ich höre mir an, was jemand mitbringt, und sage ehrlich, wenn etwas keinen Sinn macht. Kein Marketing-Blabla. Ich sage klar, welche Programme gut und welche schlecht sind und welche Hochschulen man vielleicht besser meidet, weil ich so tief in dieser Bubble stecke und vieles mitbekomme.
Dazu kommt: Die Leute zahlen mich nicht. Das machen die Hochschulen. Ich muss also niemandem etwas verkaufen, was er nicht will, so wie es die Hochschulen selbst tun müssen.
Wenn die Hochschulen dich bezahlen, warum bist du dann neutral?
Weil ich mittlerweile so viele Partner habe, dass ich fast jeden Studiengang abdecken kann. Ich sehe mich als unparteiischer Makler, nicht als Vermittler einer einzelnen Hochschule. Nur weil jemand Partner ist, heißt das nicht, dass dort alles perfekt läuft, und das sage ich auch, wenn man mich darauf anspricht. Meine Verträge sind außerdem alle sehr ähnlich. Es gibt keine Hochschule, die doppelt so viel zahlt wie eine andere. Die Prozentsätze unterscheiden sich im niedrigen einstelligen Bereich.
Anrechnung von Vorleistungen ist eines deiner Steckenpferde. Warum ist das so unterschätzt?
Weil die meisten gar nicht wissen, dass es geht. Wer vorher eine Ausbildung gemacht oder ein Studium angefangen und abgebrochen hat, kann die ECTS aus dem Vorstudium oft anrechnen lassen. Das muss nicht mal der gleiche Studiengang sein. Auch Zertifikate und Weiterbildungen lassen sich häufig anrechnen. Die Entscheidung liegt am Ende bei der Hochschule.
Wie viel kann man realistisch anrechnen?
Als grobe Orientierung: Bei einem 120-ECTS-Master lassen sich etwa 60 ECTS anrechnen, bei einem 90-ECTS-Master rund 30. Bei einem Weiterbildungsmaster mit 60 ECTS geht in der Regel nichts. Das kann also die halbe Studienzeit und entsprechend viel Geld sparen.
Zum Hochschulnavigator
Was ist der Hochschulnavigator, für jemanden, der gerade zum ersten Mal davon hört?
Ein unabhängiger Vergleich für Fernhochschulen aus dem DACH-Raum. Für alle, die einfach ein paar Eckdaten nebeneinander sehen wollen, bevor sie sich entscheiden.
Was macht ihr anders als andere Vergleichsportale?
Der Hochschulnavigator nutzt für alle Angaben Primärquellen: Akkreditierungen, Studienformate, Preise und so weiter. Kein Marketing-Blabla, sondern harte Fakten. Die meisten Plattformen sind dagegen nur Werbung, verpackt als Vergleich. Dort kauft man sich als Hochschule bessere Plätze und platziert Programme. Das gibt es bei mir nicht.
Was ist der häufigste Denkfehler bei der Wahl einer Fernhochschule?
Die meisten schauen auf das Marketing der Hochschule, nicht auf die Qualität der Lehre, die Zahlen oder ehrliche Bewertungen.
Wie soll ein Laie die Qualität der Lehre erkennen, wenn nicht am Marketing?
Ehrlich gesagt gar nicht allein. Dafür braucht es Beratung von Leuten, die die Unterschiede kennen. Es gibt zwar Foren, aber auch dort ist vieles gekauft und gesponsert.
Zum Schluss
Jemand liest dieses Interview, spielt mit dem Gedanken an ein Studium und weiß nicht, wo er anfangen soll. Dein Rat?
Hol dir Rat. Nicht unbedingt von mir, aber nutze gerne mein kostenloses Erstgespräch. Man verliert ja nichts dabei.
Lieber Lars, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses offene und ehrliche Gespräch genommen hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg mit dem Studienflüsterer und dem Hochschulnavigator – und drücken die Daumen für deine Promotion und das gemeinsame Buch „Fernstudium Klartext".



