Medizinstudium-Famulatur

Nach dem Physikum erwartet dich die sogenannte Famulatur. Unter Famulatur versteht man ganz allgemein gesagt ein Praktikum. Dabei ist die Famulatur kein Recht, sondern eine Pflicht für jeden Medizinstudenten. Die Approbationsordnung für Ärzte schreibt die Famulatur vor. Nach dem ersten und zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung muss dieses Praktikum stattfinden, und das in der vorlesungsfreien Zeit.

Die Famulatur dauert insgesamt 4 Monate und wird in der Regel unentgeltlich geleistet. Anders als z.B. beim Pflegepraktikum, hier ist eine eventuelle Gehaltszahlung Vereinbarungssache.

Ziel und Ablauf der Famulatur

Ziel der Famulatur ist es, dass Studenten der Medizin Erfahrungen im Bereich Umgang und Versorgung der Patienten sammeln können. Hier geht es dann weniger um die pflegerischen Tätigkeiten wie du sie dann schon im Pflegepraktikum erlebt hast, sondern vielmehr um die ärztlichen Patientenversorgungen. In der Famulatur also schnupperst du das erste Mal so richtig in das Leben und den Alltag eines Arztes hinein.

Für die Famulatur ist ein Zeitrahmen von insgesamt 4 Monaten vorgeschrieben. Diese 4 Monate gliedern sich in folgende drei Teilbereiche:

  • 2 Monate praktische Tätigkeiten in einem Krankenhaus (alternativ seit dem Jahre 2012 hast du hier auch die Möglichkeit, diese 2 Monate in einer stationären Rehaeinrichtung abzuleisten)
  • 1 Monat in einer Arztpraxis oder einer stationären Einrichtung
  • 1 Monat in einer Hausarztpraxis

Was dich während der Famulatur erwartet

Während du im Pflegepraktikum den Schwestern und Pflegern unterstellt warst, bist du während deiner Famulatur den Ärzten unterstellt. Du darfst sie begleiten und lernst erste ärztliche Tätigkeiten wie venöse Zugänge legen, Blut abnehmen, Patientenaufnahmen und Gespräche, oder du darfst bei kleineren Eingriffen assistieren.

In der Zeit deiner Famulatur wirst du auch Studenten begegnen, die sich gerade im Pflegepraktikum befinden, oder auf Menschen im FSJ. Als Famulant hast du bereits Erfahrungen gesammelt und darfst gerne auch einmal die eine oder andere Frage beantworten, so lange du dir sicher bist und dich auch sicher fühlst.

In- oder Ausland – du selbst darfst entscheiden

Ob du deine Famulatur in Deutschland oder im Ausland absolvieren möchtest, das ist und bleibt dir überlassen. Wichtig ist nur, dass es eben 4 Monate sind, ein einzelner Block aus mindestens 30 Tagen besteht, und dass die Orte den Richtlinien entsprechen. Bei der Auswahl solltest du darauf achten, welche Möglichkeiten bietet dir welche Stelle, welche Stationen gibt es, wofür interessierst du dich? Hast du dich in Deutschland für eine bestimmte Eirichtung entschieden, so frag persönlich nach, ob eine Famulatur hier möglich ist und welche Unterlagen eventuell von dir eingereicht werden müssen. Willst du deine Famulatur im Ausland machen, so ist es natürlich wichtig, dass du die jeweilige Landessprache gut beherrschst. Wo und in welchen Ländern du die 4 Monate verbringen kannst, das erfährst du u.a. über die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Diese kann dir Famulaturplätze in über 70 Ländern vermitteln und dir ggf. auch bei der Unterkunft behilflich sein. Zudem kannst du hier auch Zuschüsse für deinen Auslandsaufenthalt beantragen.

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Eigeninitiative zeigen – selbstbewusst handeln

Leider ist es so, eventuell hast du das in deinem Pflegepraktikum schon erlebt, dass du oft nur durch Eigeninitiative weiterkommst oder etwas erklärt oder gezeigt bekommst. Im Medizineralltag bleibt selten Zeit und Raum, den Studenten quasi „hinterherzulaufen“. Selbst ist der Student. Von Beginn an solltest du offen und freundlich sein, solltest Eigeninitiative zeigen und interessiert an alles herangehen. Zeig deutlich, was du schon kannst und auch, was du noch wissen oder lernen möchtest. Angst etwas falsch zu machen brauchst du nicht zu haben. Du bist noch Student, kein fertiger Mediziner, du darfst und sollst Fehler machen, denn nur so kannst du auch wirklich etwas lernen.

Entscheidungshilfen

Bei der Famulatur hast du bereits 4 Semester deines Studiums hinter dir. Du hast schon viel gelernt und in deinem Pflegepraktikum auch schon einige praktische Erfahrungen gemacht. Die Famulatur aber ist etwas Besonderes. Hier hast du dann wirklich zum ersten Mal die Chance, ein kleines Stück davon zu erlernen und zu tun, was einmal deinen späteren Beruf ausmachen wird. Wenn du dir noch unsicher bist, wie und wo du deine Famulatur machen möchtest, dann ist eine Möglichkeit, um sich besser entscheiden zu können und sich sicherer zu fühlen, das Gespräch mit anderen Studenten. Wende dich an die, die die Famulatur bereits hinter sich haben. Hör dir an, was sie zu erzählen haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben, welche Tipps sie dir geben können. Hiervon kannst du nur profitieren. In einigen Bundesländern gibt es sogenannte Famulaturbörsen. Hier kannst du dich online informieren, wo welche Famulaturplätze aktuell noch frei und zu besetzen sind. Auch das kann dir dann unter Umständen bei deiner Entscheidung helfen.

Das Famulaturzeugnis

Ähnlich wie beim Pflegepraktikum, erhältst du auch nach der Famulatur eine Bescheinigung, die in diesem Fall als Famulaturzeugnis bezeichnet wird. Insgesamt bekommst du drei dieser Famulaturzeugnisse, nämlich für jeden Abschnitt deiner Famulatur einen. Alle drei müssen von der jeweiligen Stelle ausgefüllt und unterschrieben werden. Hierzu gibt es entsprechende Vordrucke, die in jedem Fall verwendet werden sollten.