Aufschieberitis bekämpfen

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Aufschieberitis bekämpfen "Heute, morgen oder spätestens einen Tag vor Abgabeschluss erledige ich meine Hausarbeit!" Dieser und ähnliche Gedankengänge stehen für rund 50% aller Studenten an der Tagesordnung. In Zeiten der allgegenwärtigen Ablenkung durch die unendlichen Weiten des Internets wird uns das Aufschieben besonders leicht gemacht - ein Grund für das mittlerweile sehr häufige Auftreten der Aufschieberitis.

Doch nicht jeder lenkt sich mit Netflix, Facebook und Co. ab. Selbst ungeliebte Tätigkeiten wie Putzen oder Abwaschen werden gerne erledigt, wenn eine unangenehme Prüfung ansteht.

 

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Organisation macht zufrieden

Studenten, die ihren Aufgaben auf Dauer nicht nachkommen, stehen unter großem Leidensdruck. Einerseits erscheint es unmöglich, sich aufzuraffen. Andererseits kann man die - vermeintlich so reichlich vorhandene - Freizeit kaum genießen, wenn das schlechte Gewissen auf's Gemüt drückt. Um dich dauerhaft besser selbst zu organisieren, braucht es ein gewisses Handwerkszeug. Einige der gängigsten Ansätze dazu kannst du in diesem Abschnitt lesen.

Das Pareto Prinzip: Perfektionismus ist nicht effektiv genug

Vilfredo Pareto, seines Zeichens Soziologe, machte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine interessante Entdeckung: 20 Prozent der italienischen Familien besaßen zu dieser Zeit etwa 80 Prozent des italienischen Landesvermögens. Ein klischeehafter Gedanke, in dem die Mafia des europäischen Südens die Hauptrolle spielt, mag sich dir nun aufdrängen. Ob es nun ein Zufall ist, dass dieser Zusammenhang gerade in Italien entdeckt wurde, sei dahin gestellt.

In jedem Fall hat die Pareto- oder auch 20/80-Regel heute besonders in der Wirtschaft eine große Bedeutung. Aber auch im Alltagsleben bestätigt sich ihre Aussage:

  • Lediglich 20% unserer Kleidungsstücke tragen wir regelmäßig.
  • In Lagerhäusern beanspruchen 20% der Güter rund 80% des Platzes.
  • Und schließlich: Im Studium am heimischen Schreibtisch oder der Unibibliothek erledigen wir in 20% der aufgewendeten Zeit rund 80% einer Aufgabe.

Diese Pareto-Regel ist wahrlich nichts Neues und wird heute vielfach zitiert, wenn es um Effektivität oder Leistungssteigerung geht. Warum wohl? Weil sie erstens die Realität abbildet und zweitens zu einem sehr mächtigen Instrument werden kann, wenn man sie zu nutzen weiß.

Zuerst halten wir fest: Etwa 80% deiner in Hausaufgaben investierten Zeit bringen dir lediglich 20% deiner Gesamtleistung ein. So gesehen könntest du dir diese 80% immer dann sparen, wenn du kein perfektes Ergebnis liefern musst. Es geht nicht darum, mit geringstem Aufwand etwas zu leisten, das gerade noch zum Durchkommen ausreicht. Vielmehr nutzt du deine Zeit mit der Pareto-Regel effektiver und die Chance eines positiv abgeschlossenen Studiums steigt. Du lernst sehr vieles in relativ kurzer Zeit, bist motivierter und behältst dein Leben im Griff.

Kurz zusammen gefasst bedeutet das also für deinen Lernalltag:

  • Wenn 80% ausreichen, liefere 80% ab. Versuche auf diesem Wege, möglichst viele Aufgaben abzuschließen und komme so wieder auf Schiene. Die so gewonnene Zeit kannst du an Stellen investieren, wo Perfektion und Vollständigkeit gefragt sind.

Aber, wie? In der Praxis wendest du das Pareto-Prinzip an, indem du

  • Den Gedanken, immer alles zu lesen und auswendig zu lernen über Bord wirfst.
  • Skripten und Literatur exzerpierst und das WICHTIGSTE daraus lernst.
  • Dir einen Überblick verschaffst und selektiv lernst (speziell das, was dir völlig unklar ist).
  • Die Arbeiten an einer Seminar- bzw. Hausarbeit beendest, sobald du alles Wesentliche abgedeckt und erledigt hast. Peanuts und unwichtige Details sparst du dir.

Pareto-Puristen sehen sich das Inhaltsverzeichnis an, markieren relevante Kapitel und lesen ausschließlich den ersten und letzten Absatz dieser Textabschnitte. Inwiefern das für dich eine Option ist, kannst du durch Ausprobieren herausfinden.

Selbstmanagement nach Eisenhower

Während seiner Amtszeit praktizierte der US-Präsident Dwight D. Eisenhower eine eigene Methode des Zeitmanagements. Diese Eisenhower-Methode gruppiert Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit. Je nachdem, wie du eine Erledigung einordnest, erhältst du auf Basis dieser Methode eine bestimmte Handlungsanweisung. Weil man nicht lange überlegen, sondern nur nach fixen Prinzipien vorgehen muss, kann es damit sehr schnell zu einer Entscheidung kommen. Gerade, wenn die Zeit knapp ist, empfiehlt sich also die Anwendung von Eisenhowers Prinzipien.

Dazu kategorisierst du den Inhalt deiner ToDo-Liste folgendermaßen:

Kategorie 1: Wichtige, dringende Aufgaben

Diese Aufgaben solltest du unbedingt selbst erledigen. Hierauf liegt dein Hauptaugenmerk. Bearbeite diese Punkte ohne Verzögerungen.

Kategorie 2: Wichtige, nicht dringende Aufgaben

Hierbei handelt es sich um Dinge, die für dein Projekt oder Semester sehr wichtig sind. Erledigst du sie nicht bis zum Ende einer noch weit entfernten Frist, wirst du Probleme bekommen. Du solltest sie also selbst bearbeiten, hast aber noch Zeit. Diese Arbeiten darfst du noch etwas aufschieben. Behalte aber die Abgabefrist im Hinterkopf, indem du z.B. ein entsprechendes Post-it gut sichtbar platzierst.

Kategorie 3: Unwichtige, dringende Aufgaben

Damit sind Punkte auf deiner Liste gemeint, die möglichst zeitnah erledigt werden sollten. Allerdings sind sie weniger wichtig, sodass du sie an jemand anders delegieren kannst. In der Zwischenzeit widmest du dich den Aufgaben der Kategorie 1 und 2.

Kategorie 4: Unwichtige, nicht dringende Aufgaben

Verschwende deine Zeit nicht mit diesen Dingen. Darunter können z.B. auch vereinzelte Teile einer Hausarbeit fallen, die nach dem Pareto-Prinzip keinen großen Beitrag zum Gesamtwert leisten und dennoch zeitraubend sind. Selbst, wenn du sie daraufhin vergisst, ist es nicht weiter tragisch. Streiche sie von deiner Liste und kümmere dich darum, wenn es gerade nichts zu tun gibt und mache dir keine weiteren Gedanken darüber.

Du siehst: Auf diese Weise lässt sich ein guter Teil an Tätigkeiten aussortieren. Manche kannst du abgeben, andere sind völlig vernachlässigbar. Somit bleibt genügend Zeit, um sich relativ stressfrei auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Hier noch eine Matrix zur übersichtlicheren Darstellung:

Aufgaben einteilen
 dringendnicht dringend
wichtig Schnellstmöglich
selbst erledigen.
In Erinnerung behalten und
später selbst erledigen.
nicht wichtig Delegieren oder evtl. nach den
wichtigeren Aufgaben erledigen.
Nicht mehr bearbeiten.

 

Ran an den Speck: unsere Praxistipps

Nun hast du bereits einige Informationen über effektives Arbeiten erhalten. Um produktiver sowie zufriedener durch den Alltag zu spazieren, solltest du nun einen Tages- und evtl. Wochenplan in Listenform aufstellen.

Das hat folgende Vorteile:

  • Beim Erstellen deiner ToDo-Liste gehst du deine Aufgaben im Kopf durch und erhältst einen besseren Überblick.
  • Schriftlich festgehaltene Termine und Aufgaben belasten weniger. Du musst dich nicht ständig selbst an den Abgabetermin erinnern und stehst nicht mehr unter dem Druck, ja nichts zu vergessen. Deine ToDo-Liste übernimmt das für dich.
  • Mit dem Abarbeiten deiner Liste entwickelst du eine gewisse Routine. Du hältst dich nicht mit deinem schlechten Gewissen oder organisatorischen Fragen ("So viel zu tun! Kein Überblick! Was soll ich bloß als erstes angehen?") auf. Stattdessen wirfst du einen Blick auf deine Liste und kannst dich sofort deinem Tagespensum widmen.
  • Dadurch wirst du in der Regel keine Abgabefristen mehr versäumen und nicht mehr vor deinem Prof. in Erklärungsnot geraten oder dich verzetteln.
  • Sich den Berg an Arbeit zu vergegenwärtigen, der vor einem liegt, ist zugleich unangenehm und befreiend. Einerseits kannst und musst du in diesem Moment die Realität akzeptieren. Andererseits hast du damit den ersten Schritt zur Bewältigung deiner Aufgaben getan. Deshalb schreibt man dem Erstellen von ToDo-Listen auch einen gewissen, psychologischen Effekt zu. Eine Art Belohnungsgefühl setzt ein und gibt dir den nötigen Kick, um ab sofort (täglich!) wieder dein Bestes zu geben.

Stolpersteine und weitere Tipps

Beim Erstellen deiner ToDo-Liste solltest du Folgendes beachten:

  • Gehe davon aus, dass du nur die Hälfte von dem erreichen wirst, was du dir (im hochmotivierten Zustand) vornimmst. Plane daher immer eine Puffer-Zeit ein. Das gilt insbesondere für wichtige Abgabetermine und Aufgaben, deren Fortschritt von anderen Personen und Umständen abhängt.
  • Versuche, deine Aufgaben nach Wichtigkeit zu ordnen. Tu das insbesondere dann, wenn die verfügbare Zeit bis zur Abgabe bzw. Prüfung bereits sehr knapp ist. Hinterfrage jede Aufgabe - insbesondere Privates, das dich aufhält - hinsichtlich ihrer Nützlichkeit für deine Ziele. Was musst du alles erledigen, um dich weiter zu entwickeln, das Studium zu bewältigen und langfristig glücklich zu sein? Was ist weniger wichtig und kann getrost vernachlässigt werden?
  • Delegation ist alles! Spätestens im Berufsleben ist es von Vorteil, wenn man die eigene Arbeitskraft effektiv zu nutzen weiß. Dazu gehört das Abgeben unwichtiger, kleiner Botengänge und Schreibarbeiten. Viele kleinere Aufgaben können nämlich auch von anderen erledigt werden, ohne dass die Qualität des Endproduktes darunter leiden muss. Das Transkribieren von Interviews für Bachelor- und Masterarbeiten ist ein Beispiel für zeitraubenden Kleinkram, den du nicht selbst machen musst. Informiere dich darüber, in welchem Rahmen die Prüfungrichtlinien dein Outsourcing zulassen und riskiere dabei bitte keine Regelverstöße.
  • Als Mensch hast du einen Biorhythmus, der von einer Reihe äußerer Faktoren abhängt. Deine Leistungsfähigkeit ist nicht immer gleich. Es hilft, ein Gefühl für die eigenen Hochphasen und Leistungstiefs zu bekommen. Kannst du dich gut selbst einschätzen, dann berücksichtige auch deine Leistungskurve in der Tages- und Wochenplanung. Reserviere jene Tageszeiten, in denen du dich besonders gut konzentrieren kannst, für die schwierigeren und wichtigeren Aufgaben. Dingen wie Staubsaugen oder ein Geschenk einpacken kannst du dich dann widmen, wenn deine Leistungsfähigkeit abzusinken beginnt. Vergiss nicht, dass auch das Empfinden von Anstrengung subjektiv ist. Bleib ehrlich zu dir selbst und richte dich nach deinen persönlichen Erfahrungswerten - selbst wenn deine Kollegen ihren Tag anders organisieren, als du.

Unsere Empfehlung: Schwarz-weiß-Denken vermeiden

Versuche, das Grübeln aufzugeben. Viele Studenten mit Aufschieberitis haben Gedanken, die sich ständig im Kreis drehen. Das bunte Karussell aus Selbstvorwürfen, Ausflüchten und Selbstzweifeln ist dann an der Tagesordnung. Blöd nur, dass genau dieses Gedankenchaos alles noch schlimmer macht.

Finde einen guten Mittelweg zwischen Perfektionismus und Stagnation. Gedanken á la "Es ist sowieso schon alles zu spät." bringen dich nicht weiter und sind bloß feige Ausflüchte. Akzeptiere lieber, dass sich das Leben in Graustufen abspielt. Es gibt also weit mehr Nuancen von Leistung als "Nichts tun" und "24/7 pauken." Zudem ist es nur selten zu spät, dein Bestes zu geben.

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